Journal:Test Medeli DR2
Aus Pararesearch-Handbuch für Geisterjäger
Aus China erreichte uns ein neuer Audio-Digital-Recorder, der auf den ersten Blick baugleich mit dem Zoom H2 anmutet: Der Medeli DR2. Medeli ist ein Hersteller aus China, der den Digitalrekorder als Eigenmarke gebrandet für große Musik- und Elektronikhäuser verkauft.
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Sparsame Ausstattung
Zunächst fällt auf, daß der DR2 in einer sehr schlanken Packung daher kommt. Zum Vergleich habe ich den Zoom H2 danebengelegt. Nach dem Auspacken stellt man fest, daß die Ausstattung spartanisch ist: Die Schachtel enthält den Digital-Recorder und die Bedienungs-Anleitung. Der Zoom H2 hat einen deutlich größeren Lieferumfang. Jedoch kostet der H2-Recorder auch das Doppelte.
Ein USB-Kabel ist nicht im Lieferumfang enthalten, ebenso keine SD-Karte, mit der man direkt loslegen könnte. Dies muß man sich als eventueller Neueinsteiger also noch zulegen. Aber nicht lang gemeckert, ich habe den DR2 mit einer 2GB-SD-Karte und Akkus versorgt, das Gerät eingeschaltet, die Karte nach Vorgabe formatiert und mich mit der Anleitung beschäftigt und so mit den Features des Geräts vertraut gemacht.
Technische Features
Die Ausstattung des Gerätes ist verdächtig ähnlich mit dem Zoom H2: Auf der rechten Seite finden wir die Buchsen für USB, Anschluß eines externen Mikrofons, Line-In-Anschluß und Kopfhörer-Anschluß. Dazu ist hier ein Taster-Regler für die Aufnahme-Lautstärke.
Auf der rechten Seite den Anschluß für ein optionales Netzteil, den Ein-Aus-Schalter, ein Taster-Regler für die Wiedergabe-Lautstärke und einen Schalter für die Mikrofon-Empfindlichkeit des eingebauten Mikrofons.
Auf der Vorderseite des Geräts sind Taster für Aufnahme, Wiedergabe, Titelwahl und Menü-Steuerung. Ebenso finden sich Taster für das Ein- und Ausschalten des Geräte-Lautsprechers, direkte Effektwahl und Wiedergabe-Wiederholung.
Das Display ist ein OLED-Display, gut lesbar, stromsparend und durch die blauen LEDs dezent und sehr praktisch im Dunkeln.
Im Gerät sind wie beim Zoom H2 vier Mikrofone eingebaut, die Aufnahmen im Surround-Format ermöglichen sollen. Soweit die Theorie. Ob es ist um Surround-Aufnahmen handelt, dazu mehr später im Artikel.
Als Effekte stehen verschiedene Hall- und Echo-Simulationen zur Verfügung, bei Aufnahme oder Wiedergabe einer Datei werden jedoch die Effekte abgestellt.
Testaufnahme
In einem Aufnahme-Test habe ich die beiden Geräte "gegeneinander" antreten lassen, sie direkt nebeneinander gestellt und eine Testaufnahme gemacht. Eingestellt habe ich auf beiden Geräten MP3-Format mit 320 kbps.
Hier die Aufnahmen direkt aus den Geräten:
Aufnahme des Zoom H2-Recorders
Aufnahme des Medeli DR2-Recorders
Mein Vergleich der Aufnahmen: Für unsere Zwecke geben sich die Geräte nicht viel. Obwohl beide Geräte 2 Stereo-Mikrofone besitzen, sind auch hier die Unterschiede deutlich. Beim Zoom H2 lassen sich die Mikrofon-Paare gezielt auswählen und auch Surround-Aufnahmen sind möglich. Beim DR2 kann man nur zwischen 2 und 4 Mikrofonen wählen. Dies ist um Grunde aber nichts anderes als eine Umschaltung der Mikrofon-Charakteristik[1], so daß annähernd eine Kugelcharakterisik erreicht werden soll. Die Aufnahme mit dem DR2 resultiert daher in einer Stereospur und nicht in einer 4-Spuraufnahme wie beim Zoom H2.
Fazit
Der Zoom H2 bietet zum einen natürlich eine umfangreiche Ausstattung wie Kopfhörer, SD-Karte, Netzteil, Adapter für Mikrofonklemme, Standfuß, Windschutz usw. Mit dem DR2 erhält man nur das reine Gerät, außer ein Händler erbarmt sich, und legt noch ein USB-Kabel bei.
Die Effekte des DR2 klingen billig und nur verwendbar im Monitor-Modus. Man kann den DR2 als Mikrofon verwenden und an einen Verstärker anschliessen und kann zur "Verbesserung" noch die Effekte aufschalten. Der Zoom H2 bietet hier deutlich bessere und sinnvollere Effekte wie Noise-Gate und Kompressor, so daß Sprachaufnahmen für z.B. Podcasts deutlich ausgewogener klingen. Zudem lassen sich beim Zoom die Effekte auch während der Aufnahme verwenden. Weitere Features des Zooms sind der Gitarrentuner und andere nette dreingaben, die für reine Audio-Aufnahmen jedoch nicht ins Gewicht fallen, und der Zoom H2 läßt sich als USB-Mikrofon an den PC anschliessen. Auch dies wird vom DR2 nicht unterstützt.
Für reine Audioaufnahmen bietet der DR2 ein deutlich besseres Preis-Leistungsverhältnis als so manches Diktiergerät. Überlegt man, daß der DR2 preislich im Segment des Olympus-Diktiergeräts WS200S liegt, so ist hier eher der DR2 in Erwägung zu ziehen, da mit dem DR2 deutlich bessere Aufnahmen als mit dem WS200S gemacht werden können. Auch wenn der DR2 4 Mikrofone bietet, so kann er keine Surround-Aufnahmen machen. Die 4 Mikrofone dienen lediglich dazu, ein Stereomikrofon mit einer Kugelcharakteristik zu ermöglichen.
Negativ fällt jedoch auf, daß auf der Homepage des Herstellers Medeli zwar viele PDF-Prospekte heruntergeladen werden können. Ein Firmware-Update sucht man jedoch vergeblich. Die Frage ist, ob hier eine ähnlich gute Produktpflege wie beim Zoom H2 stattfinden wird.
Wenn man außer einer vernünftigen Qualität keine großen Anforderungen an sein Aufnahmegerät hat, so ist man mit dem DR2 gut bedient. Das Gerät macht einen deutlich stabileren Eindruck als der etwas preiswertere Audiorecoder MDR-2 aus dem Hause Thomann.
Bezugsquellen
Bei Musikhaus Thomann ist der DR2 als MDR-4 erhältlich.
Bei Conrad-Elektronic läuft das Gerät unter der Bezeichnung Conrad DR2. Auch auf eBay sind einige Angebote zu finden.
Weitere Infos zu dem Gerät gibt es auch auf der Homepage des Herstellers Medeli.
Update
Mittlerweile stellt der Hersteller auf seiner Homepage ein Firmware-Update für den Rekorder zur Verfügung. Mit der neuen Firmware-Version können die Effekte auch auf die Wiedergabe einer Datei gelegt werden und das Gerät kann jetzt auch als Gitarren-Tuner dienen.

