German Pararesearch 2009 - Blumenthal
Aus Pararesearch-Handbuch für Geisterjäger
In Zusammenarbeit mit dem Forum Spukwelten initiierten wir das German Pararesearch 2009 unter dem Codenamen "Destination Unknown", um "Ghosthunting" für Interessierte anfaßbar und transparent zu machen.
Inhaltsverzeichnis |
Das Konzept
Es ist nicht immer einfach, gute Locations aufzutun, die dann auch noch für eine Untersuchung durch eine große Gruppe geeignet ist. Die Ghosthunter halten zwar alle immer Augen und Ohren auf, auch mit dem Hintergedanken, daß sie etwas für eine große Aktion finden, aber nicht immer werden sie fündig, und vielleicht übersehen sie ja auch etwas?
Da die Ghosthunter aber auch immer gerne Gäste auf PUs dabeihaben, hatten sie die Idee das „German Pararesearch 2009“ als eine Art Preisausschreiben zu gestalten. Und so soll es laufen:
Phase 1
Sicher weiß der eine oder andere User im Forum eine Location, die dringend mal untersucht werden sollte, und die gewissen Kriterien entsprechen muß (siehe weiter unten). Diese Location wird im Forum vorgeschlagen, entsprechend als Teilnehmer des "Preisausschreibens" mit einigen Hintergrundinfos, was da für Phänomene auftreten sollen. Vorschläge werden bis zu einem bestimmten Termin gesammelt, der frühzeitig bekannt gegeben wird.
Kriterien für eine geeignete Location
- Eine geeignete Location muß öffentlich zugänglich sein, oder es muß die Genehmigung des Eigentümers vorliegen, hier eine Paranormale Untersuchung durchzuführen. Auf keinen Fall sind verfallene Häuser und Grundstücke mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen zugelassen. Zutrittsbefugnisse sind vorher abzustimmen.
- Bei der Location sollte es sich nicht um bekannte Orte handeln, die sowieso das Ziel von Spuktouristen sind. Orte wie Beelitz, Brieselanger Wald oder Ebersberger Forst scheiden also aus!
- Derjenige, der die Location vorschlägt, sollte wissen, wo diese liegt, wie man zu ihr gelangt und stellt auch eventuell den nötigen Kontakt zum Eigentümer her.
- Die Location muß für den Termin das German Pararesearch 2009 auch zugänglich sein. Nichts ist ärgerlicher, als daß wir unverichteter Dinge wieder abziehen müssen.
- Eine geeignete Unterbringung (Pension, Hotel, Ferienwohnung) in der Nähe muß für ca. 10 Personen vorhanden sein, da das German Pararesearch über ein Wochenende gehen wird.
Hier sieht es so aus das die Ghosthunter euch bei der Kontaktaufnahme oder Untersuchungsgenehmigung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Geeignete Unterbringung heisst für euch nur das die Ghosthunter was in der Nähe haben, wo sie sich einmieten können für die Zeit der Untersuchung.
Phase 2
Nun werden die vorgeschlagenen Locations gesichtet, überprüft und offene Fragen mit dem User geklärt. Den Kriterien entsprechende Locations werden nun zur Abstimmung mit den vorhandenen Hintergrund-Infos zur Abstimmung durch das Forum vorgestellt.
Die User stimmen dann für eure Wunschlocation, an der das German Pararesearch 2009 stattfinden soll. Die Abstimmung endet zu einem bestimmten Termin, der frühzeitig bekannt gegeben wird.
Phase 3
Die Gewinner-Location wird nochmals eingehend überprüft, ob alle nötigen Vorraussetzungen gegeben sind, dort eine PU durchzuführen. Unterbringungsfragen werden geklärt, und die Location wird den teilnehmenden Ghosthunter-Gruppen vorgestellt.
Gewinner
Als Gewinn darf der User, der die Location vorgeschlagen hat, als Ehren-Teamleiter an der PU teilnehmen. Aus den Usern, die für die Location gestimmt haben, werden 2 gezogen, die an der PU teilnehmen dürfen. Die Gäste müssen natürlich volljährig sein (Mindestalter 18 Jahre).
Phase 4
Die Ghosthuntergruppen führen eine PU zu den vereinbarten Terminen an der Location durch, werten wie üblich aus und präsentieren Material und Berichte exklusiv im Forum Spukwelten, auf Pararesearch.info und eventuell auf den jeweiligen Homepages der User.
Vorschlag und Abstimmung
Die User der Spukwelten schlugen verschiedene Orte vor, die eine Untersuchung wert sein könnten. Eine Abstimmung der User über die Vorschläge entschied dann, welcher Ort im Rahmen des German Pararesearch 2009 untersucht werden sollte, und fiel zugunsten des Ortes "Blumenthal", der sogenannten Stadtstelle in Berlin/Brandenburg aus, ein Ort, der im Mittelalter unterging und um den sich viele Legenden ranken.
Aus dem "German Pararesearch 2009 - Destination Unknown" wurde somit der "German Pararesearch 2009 - Destination Blumenthal".
Hintergrund-Informationen
Bericht der Userin Marisa über ihre Erfahrungen im Blumenthal
Ich hatte vor einigen Jahren einen Bericht darüber in der Tageszeitung gelesen, in dem zu lesen war, dass der Sage nach im Jahre 1348 die Pest zahlreiche Bewohner hinweg gerafft haben soll. 1398 kamen erst die Pommern, dann 1430 die Hussiten mit Mord und Totschlag. Von dem Städtchen blieben wohl nur ein paar Steine übrig, die von den umliegenden Dörfern nach und nach für ihre Bauten abgetragen wurden. Seitdem erzählt man sich, dass mancher Wanderer oder Pilzsammler Opfer plötzlicher Visionen werden. So höre und sehe man das bunte Treiben auf einem mittelalterlichen Marktplatz, das Läuten von Kirchenglocken und im Winter sogar seltsame Spuren im Schnee. Als Familienausflug getarnt machte ich mich eines Tages mit meiner Familie auf den Weg dorthin. Niemand außer mir wusste von den angeblichen Treiben auf diesem Flecken. Meinem Sohn (der damals 10 Jahre alt war) und mir fiel als erstes das Fehlen jeglichen Vogelgesanges auf. Etwa zwei Minuten später hörten wir alle ein ziemlich lautes metallisches Klonk, das sich am ehesten mit dem Geräusch eines Schmiedehammers auf einen Amboss vergleichen lässt. Als dieses Geräusch ertönte, waren wir alle drei etwa 3-4 Meter von einander entfernt und jeder trottete so für sich durch das dichte Laub am Boden. Bei diesem Klonk schauten wir alle in die Richtung aus der das Geräusch kam und ich kann mich nicht ganz genau daran erinnern, dass ich dachte: „ Das muss da hinter dem Zaun gewesen sein!“ Nur….da war kein Zaun! Diese Tatsache irritierte mich, da auch mein Sohn der Meinung war, dass dort ein Zaun sein müsste, hinter dem dieses Geräusch entstanden war. Wir hatten beide bildlich einen Zaun aus Stroh oder Zweigen im Kopf. Bei unseren zweiten Besuch an diesem Ort, hatten wir einen nigelnagelneuen Kompass dabei, der dort seinen Dienst verweigerte. Die Nadel klemmte und ließ sich weder durch Schütteln, oder durch Klopfen wieder lösen. Erst zu Hause, als das Ding aus der Tasche genommen wurde, funktionierte er wieder tadellos. Als wir zum dritten Mal dort waren, hatten wir einen digitalen Fotoapparat, besagten Kompass und ein Fotohandy dabei. Schon nach kurzer Zeit, hatten sich die Batterien meiner Kamera restlos entladen, sodass mein Sohn mit seinem Handy die Aufnahmen machen musste. Dabei gelang ihm eine beeindruckende Aufnahme von einem schaurigen Quietschen, dass die unwirkliche Stille dieses Waldes durchschnitt.
Mittlerweile sind wir uns zu 99% sicher, dass dieses Geräusch von dem Bäumen stammt, die durch den Wind aneinander reiben.
Wir überquerten dann irgendwann die besagte Strasse um uns auf die Suche nach dem See mit dem geheimnisvollen Koffer zu machen. Ich hatte bei Google Earth gesehen, dass dieser See etwas Nordöstlich von uns sein müsste, und fragte wieder einmal meinen Sohn: „Was sagt der Kompass?“ Überraschende Antwort: „Der rührt sich nicht!“ Die Nadel bewegte sich mal wieder kein Stück. Alles Klopfen und Schütteln brachte nichts. Also sind wir auf gut Glück weiter gezogen. Nach gut 50 Metern spielte auch der Kompass wieder mit. (Vielleicht befindet sich dort ein magnetisches Feld? Sollte mal jemand nachmessen, der Ahnung davon hat!) Ich möchte die Geschichte jetzt nicht noch unnötig verlängern. Wir fanden den See, aber natürlich nicht den sagenumwobene Koffer. Mein Sohn machte noch Fotos mit dem Handy und auch in diesem Waldstück war das Fehlen jeglicher Vögel auffällig. Nicht mal Enten oder Schwäne waren auf dem recht idyllischen See. Von Zeit zu Zeit ertönten komische Geräusche und wir hatten ständig so ein komisches Gefühl…. Ich weiß nicht was in diesem Waldstück los ist, wir fühlten uns auch nicht bedroht oder so was, aber es herrscht dort eine ganz eigenartige Atmosphäre.
Sagen
Zum Forst Blumenthal gibt es verschiedene Sagen aus der Gegend.
Die Stadt im Blumenthal
- Fischbach: Städtebeschreibung d. M. B. Th. I Bd I S.357.
- Beckmann: Beschreib. d. M. B. Th. II. Kap. II S. 446. 447.
- Mündlich.
Nordöstlich von Straußberg und westlich von dem Dorfe Prötzel liegt unweit der Chaussee, die von Tiefensee nach Müncheberg führt, mitten in einem herrlichen Eichwalde von ziemlich auf der höchsten Erhebung eines oft aus sehr steilen Hügeln und Thälern bestehenden Plateaus, ein Flecken Landes, welches in der ganzen Umgebung den Namen der Stadtstelle führt. Noch vor wenigen Jahren war auch diese mit sehr alten Eichen bestanden, aber jetzt sind sie gefällt, und man hat westlich einen freien Blick bis zu dem etwas eine Viertelmeile entfernten Heidekrug, östlich bis bis zu dem unweit Prötzel gelegenen Hammelstall, nördlich und südlich ist der Blick durch Eichen- und Fichtenwald begrenzt. Jetzt wird dieser Flecken Landes, ungeachtet der Boden mit gewaltigen Massen bald kleinerer, bald größerer Steine bedeckt ist, mit Getreide bestellt, und nur, wo sich die Anhöhe nach Osten zusenkt, hat man eine größere Eiche stehen lassen, zum Andenken daran, daß hier einst eine Stadt gestanden ist. Unter dieser Eiche liegt nämlich ein großer Granitblock, der von ziemlich viereckiger Gestalt und oben geebnet ist; er hat eine Breite und Länge von etwa acht Fuß, liegt aber, wie es scheint, sehr tief in der Erde. Dieser Stein soll, wie erzählt wird, die Stelle bezeichnen, wo der Marktplatz der untergegangenen Stadt lag, und in seiner Nähe erstrecken sich, in einer Höhe von etwa zwei Fuß über dem Boden und fast in der ganzen Ausdehnung des jetzigen Feldes, Steinwälle, die tief in die Erde hinabgehen. Das sollen die Fundamente der Häuser jener Stadt sein. Noch vor hundert Jahren konnte man hier, nach Beckmann's Beschreibung, die Spuren einer Hauptstraße, welche die Richtung nach Straußberg hielt, und von sechs Querstraßen finden; außerdem waren noch verschiedene Gruben als Ueberreste von Kellern oder Brunnen zu sehen, und vier ummauerte Plätze, die, wie er meint, der Nachlaß von Kirche, Rathhaus, Schloß, Kloster oder dergleichen gewesen sein mögen. Innerhalb dieses Raumes liegen auch drei runde Hügel, von denen man sagte, daß sie Begräbnishügel seien. Das alles ist jetzt zum größeren Theil verschwunden, aber von dieser Stadtstelle hab sich noch mannigfaltige Sagen, namentlich in Straußberg, erhalten. Eine alte 73jährige Frau erzählt darüber, wie sie von einem 83jährigen Schäfer in ihrer Jugend gehört, der es von seinem Großvater vernommen habe, daß im Blumenthal einst eine sehr schöne Stadt mit guter Nahrung gestanden habe, die durch ein Erdbeben zerstört worden sei. Sie selbst habe noch den Kirchhof und den Grabstein des Predigers gesehen, auf dem mit großen Buchstaben zu lesen gewesen: „Prediger Troschel, gebürtig aus Marienwerder“, doch können sie sich der Zahlen des Geburts- und Todesjahrs desselben nicht mehr genau entsinnen. Der Schäfer, dessen Vater schon immer in diesem Irrgarten, in dem die schönsten Mallinekens (Himbeeren), weiße Johannisbeeren, Stachelbeeren, Haselnüsse gestanden, gehütet hatte, erzählt ihr einst, als er auf einem Eichenstumpf saß, auf diesem hätte sein Großvater alle Morgen einen Groschen gefunden (es war aber noch einer von den alten, von denen 24 auf einen Thaler gingen), das hätte er aber niemand sagen dürfen, sonst hätte er ihn nicht mehr bekommen. Er that daher das Geld stets heimlich in seinen Sack und bewahrte den an einem sichern Ort. Einst mußte er ihn aber da fortnehmen, nachdem er 9 Jahre lang alle Tage seinen Groschen erhalten hatte, und versteckte ihn deshalb in seinem Strohsack. Als nun seine Frau das Bett macht, findet sie den Sack und schilt nun auf ihren Mann los, sie habe so lange geglaubt einen ehrlichen Mann zu haben, und sehe nun, daß er ein Spitzbube sei. Da erzählte ihr der Mann, um sich vom Verdacht zu reinigen, woher er das Geld habe, aber des andern Morgens war auch kein Groschen mehr auf dem Eichenstumpf, und nie hat er wieder einen bekommen.
Seltsam ist auch, was dem Vater des Schäfers dort mit seinem Hunde begegnet, so langer der den nämlich gehabt, ist der Hund, der den ganzen Tag über nichts fraß, Mittags in ein kleines Loch auf der Stadtstelle gekrochen, und wenn er auch noch so dünn hineinging, kam er doch wohlgenährt heraus, und hatte sich oft so rund gefressen, daß ihm die Wampe bis auf die Erde hing. Der Schäfer behauptete aber steif und fest, „da müssn Lüüde in west sinn, dee den Hund föddert hebben!“
Einige sagen auch, auf der Stadtstelle zeige sich öfters eine weiße Frau, welche ein verwünschtes Fräulein sei, und auf dem Marktsteine sei noch eine Menschen- und Pferdetrappe sichtbar, woran man sehen könne, daß auch der Teufel dort sein Wesen getrieben.
Der wilde Jäger im Blumenthal
- Mündlich.
Im Blumenthal hört man auch oft den wilden Jäger, wie er mit „Heho“, Peitschengeknall und Kettengerassel durch den Wald jagt. Es soll dies aber ein alter Oberförster sein, der zur Strafe, daß er die armen Leute, die Holz aus dem Walde holten, arg mißhandelte, und namentlich weil er einem den Arm zerschlagen, verdammt ist dort ewig zu jagen.
Eine Frau war einst noch spät Abends mit anderen im Walde, wo sie Beeren gesucht hatten, da höen sie von fern ein lautes „Heho“, Peitschengeknall und und Hundegebell. Da ihr nun ein so arger Lärmen im Walde noch nie vorgekommen, fragte sie die übrigen, was das wäre, und erfuhr, daß es die wilde Jagd sei, wurde aber auch zugleich gewarnt, nicht zu nahe heranzugehen. Sei aber war neugierig und wollte doch den Zug, von dem sie schon so viel hatte erzählen hören, gern sehen; als sie nun wenige Schritte vorgegangen, wird der Lärm immer gewaltiger, und indem sie sich umblickt, sieht sie das Pferd des wilden Jägers dicht an ihrer Schulter; in demselben Augenblick ist sie aber auch schon zu Boden gerannt, und der Topf mit all den schönen Beeren liegt zerbrochen an der Erde. Unweit von der Stelle, wo die den wilden Jäger gesehen, giebts auch einen Weg, welcher der Hans-Mertenweg heißt, und seinen Namen von einem alten Manne haben soll, der vor Zeiten im Walde sein Brot durch Ausroden der Eichenstubben verdiente, und den Weg gemacht haben soll.
Andere erzählen, dieser wilde Jäger sei darum verdammt, ewig zu jagen, weil er sich gegen Gott versündigt habe. Er hat nämlich einstens am ersten Weihnachtsfeiertage gejagt, und da sich kein Wildbrät hat wollen sehen lassen, so hat er gesagt, „und sollte ich bis zum jüngsten Tage jagen, so muß ich heut einen Hasen haben“, aber er hat keinen bekommen und jagt dafür noch bis auf den heutigen Tag.
Der Blumenthalsche See
- Mündlich.
Wie einige Leute erzählen, ist die Stadt, welche einst im Blumenthal gestanden, in dem dortigen schönen See untergegangen, und daher mag auch der große gelbe Koffer, der ganz mit Eisen beschlagen ist, hineingekommen sein. Man sieht nämlich zuweilen einen solchen dort auf dem Wasser schwimmen, aber kein Mensch kann ihn herausziehen, und wenn die Fischerknechte ihn mit Stricken herausziehen wollten, und ihn oft schon ganz sicher zu haben glaubten, waren die Stricke plötzlich wie angeschnitten und der Koffer wieder an der alten Stelle. Ueberdies ist das Herausziehen sehr gefährlich, denn mancher, der es thun wollte, ist schon dabei im See ertrunken. Es muß aber recht etwas Wunderschönes darin sein, denn am zweiten Adventstage hört man den ganzen Tag über eine herrliche Musik, wie von Pauken und Trompeten und auch Gesang, und die kommt aus dem Koffer. Ein Schäfer war einst grade an diesem Tage mit einem alten Fischer und noch andern dort in der Nähe, und es war ihnen allen schon den ganzen Tag wie Musik in den Ohren; als sie nun dem See näher kamen, wurde diese immer deutlicher, und wie sie endlich am Ufer anlangten, sahen sie den Koffer und hörten die Musik in ihrer ganzen Schönheit.
Wunderbares kann man auch am Neujahrstage dort erleben, denn da sieht man Leinen quer über den ganzen See gezogen darauf hängt die allerfeinste Wäsche, und zwar so schöne Hemden, Ueberzüge, Handtücher, Laken und dergleichen mehr, daß sie wohl jeder gern haben möchte. Zum See führen dann ordentliche, von Rasen gemachte Stufen hinab, und es scheint so recht einladend gemacht, daß einer die Wäsche holen solle. Eine Frau kam nun auch einmal am Neujahrstage des Weges, und da der See immer an dem Tage zugefroren ist, heute aber grade so fest war, daß man noch die Spuren der schweren Holzwagen sah, die darüber gefahren waren, konnte sie dem Gelüste nicht widerstehen und wollte eins der schönsten Stücke holen, aber wie sie hingeht und faßt nur kaum die erste Klammer an, giebts ein fürchterliches Krachen, das Eis bricht unter ihr zusammen, und sie hätte unfehlbar ertrinken müssen, wenn ihr nicht noch die Fischer, die grade auf dem See fischen wollten, zur rechten Zeit zu Hülfe gekommen wären.
Wie einige erzählen, soll sich dies Alles nicht auf dem Blumenthal-, sondern auf dem Straußsee zutragen.
Historische Informationen
Neben der Beschreibung der Stadt stelle durch Beckmann gibt es einige wenige Reiseberichte aus dem 19. Jahrhundert, die die Stadtstelle im Blumenthal beschreiben.
II.Beschreib. der sog. Stadtstelle, ein Ort der Mark Brandenburg
Hiezu macht der Herausgeber, der königl. Staats- und Kabinettsminister, Freiherr von Herzberg, die Anmerkung: „Das Dorf Blumenthal ist nicht mehr vorhanden. Es ist aber gewiß, die wüste Dorf- oder Stadtstelle, deren Ruinen man noch in dem, dem Grafen von Kameke gehörigen Holze der Blumenthal genannt, findet, und welche unter dem Namen der wüsten Stadtstelle Blumenthal bekannt ist. Aus dem Landbuche scheint, daß es nur ein Dorf gewesen, weil es nicht als ein Oppidum bemerkt worden.“ Beckmann liefert im ersten Theil der historischen Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg eine Abbildung der Stadtstelle und sagt dazu S. 446 → 447: „Im Oberbarnimschen Kreis, unweit Prötzel, einem dem Herrn Hofmarschall von Kameke zuständigen Rittersitz, 4 3/4 Meilen von Berlin, 1½ Meilen von Wriezen, in dem sogenannten Walde Blumenthal ist ein Nachlaß von Mauerwerk in einem solchen Umfang, daß man noch gewisse Abtheilungen und Straßen, mithin den Ueberrest eines Städtleins wahrnehmen kann. Die südliche Seite zählt 190 Rheinländische Ruthen, die nördliche 160 Ruthen, die westliche aber 180 und die östliche etwas 60 Rheinländische Ruthen. Man bemerke dabei vier Thore, eine Hauptstraße, welche auch noch den Weg nach Strausberg hält und sechs Quergassen; außerdem noch verschiedene Gruben als Ueberreste von Kellern oder Brunnen und vier ummauerte Plätze, welches vermuthlich der Nachlaß von einer Kirche, Rathhaus, Schloß, Kloster oder dergleichen sein mag. Auch liegen innerhalb noch drey runde Hügel, welche man zwar für Begräbnishügel auslegt, aber deswegen nicht wahrscheinlich, weil man nirgends dergleichen Begräbnis innerhalb einer Stadt antrift. Es wären denn, daß solche Hügel erst nach der Zerstörung wären aufgeworfen worden; in welchem Fall die Stadt ziemlich alt dürfte gewesen seyn. Anno 1689, im März, hat der um die Märkische Geschichte verdiente Bürgermeister aus Kremmen, Herr Grüvel, diese Gegend auch besehen, und damals die Mauern, welche aus lauter Feldsteinen bestanden, noch eines Mannes hoch über der Erde befunden. Nach seiner Ausmessung mit Schritten hat die nördliche Seite an der Straße 650 Schritte, die südliche hinterwärts 750, die Breite etwa 350 Schritte gehalten. Den Ort selbst nennen die benachbarten Einwohner Blumenthal, und soll der Wald davon den Namen haben. Jetziger Zeit ist alles mit starken Bäumen bewachsen und der Rest von Steinen hat sich gemindert. Es scheint also allerdings ein Städtchen gewesen zu sein, welches zwar in einer angenehmen Gegend gelegen, aber sowohl wegen des Gebüsches, als wegen Mangel des Wassers die Bequemlichkeiten nicht mag gehabt haben, welche sich sonst bei Städten finden: weshalb sie nach und nach den Ort verlassen und etwa Wrietzen oder Strausberg haben helfen mit aufbauen. Kann auch seyn, daß Krieg, Brand, oder Pest hier gewüthet und den Ort verwüstet, nach welchem man sich wegen obbemeldeter Dürftigkeiten nicht eben weiter gesehnet.“
Ich reiste im Jul. Des Jahres 1783, auf einer Reise von Berlin nach Freienwalde, ausdrücklich nach der Stadtstelle, und erinnere mich dieses Umwegs noch mit großem Vergnügen, ob ich gleich gern gestehe, daß zu meinem damaligen Vergnügen Umstände mehr als die Steine beigetragen haben. Der Anblick von Ruinen hat überall Reiz für mich, der Blumenthal ist ein dichter, aus Fichten, Eichen, Birken und Haselstauden bestehender Wald, sein Dunkel, verbunden mit der Vorstellung seiner Größe (er hält 12.000 Morgen und ist nach der Grimnitzer Heide, die 22.000 Morgen enthält, der größte Wald in der Mark Brandenburg), erweckt Schauder und die Gegend der Stadtstelle gleicht einer wahren Einöde. Ueberdies mußte ich, kurz vor dem Eintritt in den Wald ein heftiges Donnerwetter aushalten, aus welchem ein so starker Regenguß in die Bäume stürzte, wobei ein so heftiger Sturmwind wüthete, daß ich das Geprassel von Blitzen, die ich vor mir sich hinabschlängeln sah, kaum in dem Getöse zu unterscheiden vermochte. Reine Einbildungskraft war schon hier hochgespannt, und nun kam ich in den abgekühlten träufelnden finstern Wald, durch den von der Seite her die Donnerschläge, mit unzähligen Wiederhallen noch immer über mir hinrollten. Ein Heer von Vögeln umfang mich und eröffnete mein Herz der Empfindung noch mehr. Abends um sechs Uhr gieng ich von der dortigen Heidereuterei mit einem alten Mann nach der Stadtstelle, der Donner rollte fern; eine Art von dämmernder Feuchtigkeit fing an sich zu verbreiten, mein Begleiter erzählte mir auf dem Wege von Geistern, die auf der Stadtstelle erschienen, und von einem großen Schatz, der unter dem dortigen Markstein verborgen läge. Er hielt mich sogar für einen Schatzgräber, und als ich ihm diesen Irrthum benahm, für einen von den Mönchen, welche alle Jahre nach der Stadtstelle kommen, und untersuchen sollen, ob der Schatz noch unversehrt sey? Alles das machte mir die Besichtigung der Ruinen ungemein interessant.
Der Abriß zeigt, dünkt mich, daß Blumenthal ein Städtchen gewesen ist, und daß es im Landbuch nicht oppidum heißt, hindert nicht, es für ein Städtchen zu halten, da in dem Verzeichnis von mehrern Städten blos der Name ohne den Beisatz oppidum angetroffen wird. Wer ungefähr das Alter einer Eiche nach ihrer Stärke zu schätzen vermag, der könnte etwa die Zeit des Untergangs von Blumenthal bestimmen: denn ich habe nicht nur innerhalb der Mauern, sondern in den festen Steinreihen selbst Eichen, die drey Ellen im Durchmesser halten, gefunden. Hätten auch die innerhalb der Mauern stehenden dicken Eichen, schon vor der Zerstörung des Orts, als Zierden öffentlicher Plätze, da gestanden, was, aber unwahrscheinlich ist, so müssen doch die Eichen, die gleichsam aus der Mauer herausgewachsen sind, in dieser, erst nach der Zerstörung, ihr Daseyn erhalten haben. Ich gebrauchte eine volle Stunde, um alles Mauerwerk zu besichtigen, und fand es mit der Zeichnung im Beckmann ziemlich übereinstimmend. Die höchste Höhe ist 1 ½ Fuß. Meines Erachtens sind an Blumenthals gänzlichem Untergang, es mag nun durch kriegerische Verwüstung, oder auf andre Weise ein Ende genommen haben, die Armseligkeit und Dürre der benachbarten Gegend Schuld, denen ich auch die Ursache vom Anhören eines am Postwege von Strausberg nach Prötzel ehemals gelegenen Dorfes zuschreibe. Mein Begleiter sagte mir: man hätte vor einiger Zeit auf der Stadtstelle allerley Geräthschaften und auch Kaffeetrommeln ausgegraben; der Finder der letztern muß aber wohl hier so gesehen haben, wie der Erzähler sah, der mir auf den Markstein Abbildungen von Händen und Füßen zeigte, zu deren Entdeckung mein Auge zu schwach war. Dieser Markstein ist die größte Seltenheit für die Einwohner im Blumenthal, und da er sehr versteckt liegt, so bildet sich der viel ein, der ihn aufzufinden weis. Er ist ein längliches Viereck und hält neun Fuß in der Diagonallinie. Nah um ihn her erblickt man viele Spuren von Bemühungen nach Schätzen. Ein wirklicher Schatz ist hier der vortreffliche Wald, in welchem eine Menge Theer geschweelt, eine Menge Bauholz für Hamburg gefällt, und so viel von Faßbänden verfertigt wird, daß der Ertrag der letztern allein sich jährlich auf 2000 Rthlr. Belaufen soll.
Mörschel.
Der Blumenthal
"Der Blumenthal", d.h. der Blumenthalwald, ist der Name eines großen Forstreviers, das den Hohen-Barnim von Westen nach Osten hin durchzieht und durch die von Berlin nach Wriezen führende Straße fast seiner ganzen Länge nach durchschnitten wird.
"Der Blumenthal" hat seine Romantik. Etwas von dem Zauber Vinetas ist um ihn her und die Sage von untergegangenen Städten, verschwunden in Wasser oder Wald, begleitet den Reisenden auf Schritt und Tritt. Wer um die Mittagsstunde hier vorüberzieht, der hört aus Schlucht und See herauf ein Klingen und Läuten, und wer gar nachts des Weges kommt, wenn der Mond im ersten Viertel steht, der hat über Stille nicht zu klagen, denn seltsame Stimmen, Rufen und Lachen ziehen neben ihm her.
Und ein schöner Wald ist "der Blumenthal". Die vielen Seen, die ihn durchschneiden, geben, auch wo sie nicht sichtbar werden, seinem Laub eine duftige Frische und ein Blühen ist ringsum, als wolle es der Wald immer wieder beweisen: ich bin "der Blumenthal".
Rapsfelder an den offenen Stellen, die sich breit in den Wald hineindehnen, würzen im Mai die Luft; dem Blühdorn folgt die Hagerose und dem Faulbaum der Akazienstrauch; die roten Erdbeeren lösen sich ab mit den röteren "Mallinekens" (wie der Landmann hier, poetischen Klanges, die Himbeeren nennt) und wenn endlich der Herbst kommt, so lachen die Ebereschenbeeren überall aus dem dunklen Blattwerk hervor. Dabei ein Reichtum an Hölzern, wie ihn märkische Forsten wohl kaum zum zweiten Male zeigen. In reichstem Gemisch stehen alle Arten von Laub- und Nadelholz; Eiche und Edeltanne, Else und Kiefer, Buche und Lärchenbaum machen sich den Rang der Schönheit streitig; vor allem aber ist es die Birke, der Liebling des Waldes, die mit weißem Kleid und langem Haar an dem Auge des Reisenden vorüberfliegt.
Der Blumenthal ist fast zwei Meilen lang und ziemlich ebenso breit. Hier und dort aber, wie schon angedeutet, unterbrechen Ackerstrecken das Revier und dringen von rechts und links her bis an die Chaussee hin vor. Ungefähr in der Mitte des Waldes treffen von Nord und Süd her zwei solcher Einschnitte zusammen und teilen den Forst in zwei ziemlich gleiche Hälften, in eine westliche und östliche, oder in eine Werneuchensche und Prötzelsche Hälfte. Die erste ist die landschaftlich schönere, die andere die historisch interessantere.
Der schönste Punkt der westlichen Hälfte ist der Gamengrund. Hier war es, wo Schmidt von Werneuchen seine Sommer- und Familienfeste zu feiern liebte. Sein feiner Natursinn bekundete sich auch in der Wahl dieser Stelle. Sie zeigt eine besondere Schönheit, und während sonst der Bau einer Chaussee wenig zum Reiz einer Landschaft beizusteuern pflegt, liegt hier ein Fall vor, wo das Landschaftsbild durch die durchschneidende Weglinie gewonnen hat. Der Chausseebau machte nämlich, wenn überhaupt eine passierbare Straße geschaffen werden sollte, die Überbrückung des Gamengrundes nötig, und da die Herstellung eines Dammes als passendstes Mittel erschien, ward ein Viadukt quer durch die Schlucht geführt, der nun das Hüben und Drüben des Hügellandes verbindet. Von der Höhe dieses Viaduktes aus blickt man jetzt nach links hin in die Wassertiefe des Gamensees, nach rechts hin in die Waldestiefe des Gamengrundes hinab. Der Vorüberfahrende fühlt sich wie gebannt und der Eiligste hat es nicht eilig genug, um nicht ein paar Minuten an dieser Stelle zu verweilen. Beide Bilder sind schön, auch einzeln betrachtet; aber das eine steigert noch die Wirkung des andern. Nach links hin Klarheit und Schweigen. Der Gamensee, wie ein Flußarm, windet sich in leicht gespanntem Bogen zwischen den Tannenhügeln hin und nichts unterbricht die Stille als ein plätschernder Fisch, den die Nachmittagssonne an die Oberfläche treibt. Nach rechts hin Dunkel und Leben. Aus dem Grunde herauf und bis an die Höhe des Dammes, beinahe greifbar für unsere Hände, steigen die ältesten Eichen, und während sich die Stämme in Schatten und Waldesnacht verlieren, blitzt die Sonne über die grünen Kronen hin. Allerhand Schmetterlinge wiegen sich auf und nieder und die Vögel sind von einer Herzlichkeit, als wäre dies das Tal des Lebens und nie ein Falk oder Weih über den Gamengrund dahingezogen. In der Ferne Kuckuckruf. Und ein blauer Himmel über dem Ganzen.
Die Westhälfte des »Blumenthals« ist der landschaftlich schönere Teil, aber die Osthälfte ist reicher an Sage und Geschichte. Wir wandern dieser anderen Hälfte zu. Der Wald hat uns bis an ein Vorwerk begleitet, dessen Stall- und Wirtschaftsgebäude bis hart an die Chaussee treten. Jenseits derselben fängt der Wald wieder an. Dies ist die Stelle, die wir suchen. Der Weg über den Hof hin wird uns auf Ansuchen freundlich gestattet und hinaustretend in die halb bebauten, halb brachliegenden Felder, halten wir, einige hundert Schritte weiter abwärts, vor einem mit Steinmassen überdeckten Terrain. Dies Steinfeld ist die sogenannte "Stadtstelle".
Hier stand vor fünfhundert Jahren das Städtchen Blumenthal, das seitdem dem ganzen Walde den Namen gegeben hat.
Die ältesten Nachrichten reichen bis auf 1375 zurück und das Landbuch der Mark Brandenburg führt "Blumendal" noch unter den Ortschaften des Landes Barnim auf. Der Umstand aber, daß nur das Areal des Städtchens angegeben und weder von Abgaben noch Hofediensten gesprochen wird, spricht dafür, daß die Feldmark bereits wüst und wertlos zu werden begann. Die Trefflichkeit der Äcker macht es zwar wahrscheinlich, daß im Laufe der nächsten Zeit noch Versuche gemacht worden sind, die wüst gewordenen Höfe neu zu besetzen, aber diese Versuche mußten notwendig scheitern. 1348 war das große Sterben gewesen; fünfzig Jahre später, als neue Kolonisten mutmaßlich eben anfingen, dem toten Ort ein neues Leben zu geben, fielen die Pommern ins Land und wieder dreißig Jahre später ging der Hussitenzug mit Mord und Brand über »den Blumenthal« hin. In achtzig Jahren die Pest, die Pommern und die Hussiten – das war zu viel. Ein Fluch schien über den Ort ausgesprochen zu sein; er war nun wirklich tot, und das Mauerwerk zerfiel. Der Wald mit Eichen und Schlingkraut zog in die offenen Tore ein, die Mallinekens rankten und blühten über Steintrog und Brunnen hinweg und ehe ein Jahrhundert um war, war es ein unheimlicher Ort, eine "verwunschene Stelle". Jeder mied sie. Wie es Seen und Seestellen gibt, wo die Fischer nicht fischen, weil sie fürchten, daß eine Hand aus der Tiefe fahren und sie herniederzerren wird, so berührte kein Jäger die Stelle, wo die alte Stadt gestanden hatte. Rundum tobte die Jagd, die Kurfürsten selbst erschienen mit »Hund und Horn«, aber vorüber an der Stadtstelle ging ihr Zug. Und waren Kinder beim Himbeersuchen unerwartet unter das alte Mauerwerk geraten, so befiel sie es plötzlich wie bittere Todesangst und sie flohen blindlings durch Gestrüpp und Dorn, bis sie zitternd und atemlos einen sicheren Außenplatz erreichten. Was gab es da nicht alles zu erzählen! Und so wuchs die Sage und zog immer festere Kreise um die "Stadt im Walde". Selbst das Wild blieb aus und nur Keiler und Bache hatten ihre Tummelplätze hier. An den tiefgelegenen Stellen des alten Marktplatzes, wo aus moderndem Eichenlaub und sickerndem Quellwasser sich Sumpflandstücke gebildet hatten, kamen die Wildschweinsherden aus dem ganzen "Blumenthal" zusammen, und wenn sie dann in Mondscheinnächten ihre Feste feierten, klang ihr unheimliches Getös bis weit in den Wald hinein und mehrte die Schauer des Orts.
So vergingen Jahrhunderte. Die Eichen wurden immer höher, das Gestrüpp immer dichter, – die »alte Stadt« schien verschwunden. Nur um die Winterzeit, wenn alles kahl stand, wurde das Mauerwerk sichtbar. Aber niemand war, der dessen geachtet hätte. Es waren die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges! So viele Dorf- und Stadtstellen lagen wüst, so viele neue Herde waren zerstört; wer hätte Lust und Zeit gehabt, sich um alte, halbvergessene Zerstörung zu kümmern?
So kam das Jahr 1689 und mit diesem Jahre tritt die "alte Stadt", die bis 1375 ein Stück wirklicher Geschichte gehabt hatte, wieder ins Leben ein. Man kümmert sich wieder um sie. 1689 besuchte sie der Bürgermeister Grävel aus Kremmen und fand noch Feldsteinmauern, die den Boden in Mannshöhe überragten. Von da ab folgten weitere Besucher in immer kürzeren Zwischenräumen: Bekmann um 1750, Bernouilli um 1777. Beide fanden Mauerreste und hielten sie für die Überbleibsel einer alten Stadt. Noch andere Reisende kamen. Aber ausführlichere Mitteilungen gelangten erst wieder zur Kenntnis des Publikums, als im Jahre 1843 der Geistliche des benachbarten Dorfes Prötzel einen auf genaue Forschung gegründeten Bericht veröffentlichte. In diesem heißt es: "Die merkwürdige Stadtstelle Blumenthal ist unstreitig in alten Zeiten ein menschlicher Wohnort gewesen. Man sieht noch jetzt Spuren von Feldsteinmauern. Vor einigen Jahren sind von den Waldarbeitern mehrere Werkzeuge, Hämmer, Sporen u. dgl. gefunden worden, die den Kindern dann zum Spielen gegeben, leider wieder verlorengegangen sind. Kalk wird noch jetzt dort gefunden. Die Stadt soll von den Hussiten auf ihrem Zuge nach Bernau zerstört worden sein. Einige meinen, daß die Zerstörung älter sei. Der große platte Stein innerhalb der "Stadtstelle", der sogenannte Mark- oder Marktstein, ist vielleicht ein Denkmal aus der heidnischen Zeit. Es ist nicht undenkbar, daß hier, mitten im Urwalde, schon die Semnonen einen Volksversammlungsplatz oder eine Opferstätte hatten, und daß die Städtebauer einer späteren Epoche den heidnischen Opferstein einfach liegen ließen, wo er war, weil es unmöglich war, ihn fortzuschaffen. Dieser Markstein wird hier auch noch liegen, wenn von den Feldsteinmauern rings umher längst die letzte Spur verschwunden ist. Sollen diese Spuren aber vorläufig noch gewahrt werden, so ist es die höchste Zeit. Schon hat die Pflugschar ganze Strecken der "Stadtstelle" in Äcker umgewandelt, und der Eichenwald ist hin, der diese Stelle so lang in seinen Schutz genommen".
So weit der Bericht von 1843. Ich suche nun in nachstehendem zu schildern, wie ich zwanzig Jahre später die Stadtstelle gefunden habe.
Von einem Wasserpfuhl, der sogenannten »Suhle« aus gesehn, hat man nach Osten hin ein wellenförmiges, hier und da bebautes Stück Land vor sich, das an einzelnen Stellen von aufgetürmten, sehr niedrigen Steinmauern eingefaßt, an anderen Stellen wie mit großen Feldsteinen besäet ist. Wer viel in der Mark gereist ist, dem fallen diese Feldsteine nicht auf, die hier einfach um des Ackers willen beiseite geworfen oder sozusagen an den Tellerrand gelegt erscheinen. Und so nähert man sich der Umwallung in der vollen Überzeugung, daß Klöden recht gehabt habe, als er die Existenz einer Stadtstelle bestritt. Aber dieser Eindruck ist nicht von Dauer. Unser kundiger Führer führt uns an ein Gestrüpp von Elsbusch und Brombeerstrauch und sagt dann, auf eine Steinlinie zeigend, die kaum fußhoch aus der Erde hervorragt: "Dies ist die Kirche." Wir antworten zunächst mit einem halb verlegenen Lächeln. "Hier können Sie den Kalk sehen", fährt er fort, ein Stück Mörtel aus den Fugen losstoßend, und indem wir uns nunmehr niederbeugen und das Kalkstück in die Hand nehmen, erkennen wir mit denkbar größter Bestimmtheit, daß wir hier nicht eine aufgeschüttete Einfriedigung, sondern ein in die Tiefe gehendes, gemauertes Fundament vor uns haben. Auf einen Schlag sind wir überführt. Wir verfolgen nun die Steinlinie, kommen an einen Eckstein, endlich an einen zweiten und dritten und überblicken das Oblong. Alle Zweifel sind geschwunden und wir sehen klärlich, daß hier ein Gebäude gestanden hat. Die Fundamente liegen da. Ob Kirche oder Rathaus, ist gleichgültig. Höchst wahrscheinlich die Kirche.
Unser Führer erkennt sehr wohl die Umwandlung, die mit uns vorgegangen. "Ich werde Sie nun zu dem großen Brunnen führen", murmelt er gleichgültig vor sich hin, aber mit erkünsteltem Gleichmut, denn diese "Stadtstelle" ist sein Stolz. Und inmitten eines Stück Roggenlandes, dessen Halme kaum erst handhoch aus der Erde ragen, stehen wir alsbald vor einem jener Ziehbrunnen, wie wir ihnen noch jetzt in unseren Dorfgassen begegnen. Wir sehen eine Rundung von fünf bis sechs Fuß Durchmesser, die Rundung selbst mit Feldsteinen ausgemauert und die mit Geröll locker zugeworfene Höhlung noch immer über fünf Fuß tief. Auf unsere Fragen erfahren wir, daß vor einem Menschenalter alle diese Dinge noch viel erkennbarer waren: das Mauerwerk der Kirche ragte noch mannshoch auf, die Brunnenhöhlung war noch gegen fünfzehn Fuß tief, und der Mantel des Brunnens erwies sich noch deutlich als eine Art Lehmzylinder, in dem die Steine kreisförmig übereinander steckten.
Wir schreiten von der "Brunnenstelle" zu der benachbarten "Backofenstelle". Sie liegt im Roggenland und gibt sich zunächst durch nichts Besonderes zu erkennen. Halme stehen jetzt dicht umher. Erst bei genauerer Einsicht gewahren wir, daß sich mitten in dem schwarzbraunen Boden eine kreisrunde Lehmstelle von etwa Backofendurchmesser scharf markiert.
Von hier aus geht es weiter zum "Markstein", der bis diesen Tag von einer alten Eiche überschattet wird. Aber sie gehört doch nur dem Nachwuchs an, der, als die Stadt zerstört war, durch die offenen Tore hier einrückte. Die wirklich alte Eichengeneration, die bei Lebzeiten der Stadt den Marktplatz einfaßte und beschattete, ist hin und zeigt nur noch an einzelnen Wurzelstubben, wes Schlages und Umfanges sie war.
Weit mehr indes als diese Wurzelstubben von kolossalem Durchmesser ist der Markstein selbst eine Sehenswürdigkeit. Es ist derselbe, über den wir schon weiter oben berichtet haben. Er mißt etwa acht Fuß im Quadrat, geht über vierzehn Fuß in die Tiefe und ragt nur wenig aus dem Erdreich hervor. Natürlich hat ihn nicht Menschenhand hierher gelegt und die Annahme hat nichts Gezwungenes, daß er ein Opferstein der Ureinwohner war. Auf diesem Stein zu schlafen, müßte mindestens eben so unheimlich wie unbequem sein.
Und von diesem an höchster Stelle gelegenen "Markstein" aus haben wir jetzt nach vorgängiger Kenntnisnahme der Einzelheiten alles in der Klarheit einer Reliefkarte vor uns. Wir erkennen deutlich die Mauer, die Tore, die Hauptstraße, die Kirche, die einzelnen Häuser und Gehöfte, und ungerufen wie eine Vision steigt die alte Stadt aus ihrem Grabe wieder vor uns auf. Gewiß ist das Bild, das wir uns von ihr machen, ein vielfach falsches; aber es sind dieselben Fehler nur, wie wenn wir uns mit Hilfe eines Plans eine Stadt im Geiste aufbauen. Die Dinge selbst sind nicht richtig, aber wir geben den Dingen einen richtigen Platz.
Unten am Hügelabhang, in Nähe der "Suhle", blicken wir noch einmal auf das Steinfeld zurück, das nicht länger ein Chaos für uns war. Dann erst trennten wir uns zögernd von einer Stelle, über der ein ganz besonderer Zauber waltet. Die Natur wuchs hier einst wild in eine Stätte der Kultur hinein und wucherte darin; nun hat eine andere Kultur den Wald gefällt und breitet ihre Saaten darin aus. Städtisches Leben von ehemals und Ackerbau von heute reichen sich über einem vierhundertjährigen Wald-Interregnum die Hand.
Aber an Unheimlichem fehlt es noch immer nicht. Das Wildschwein hat es nicht vergessen, daß Jahrhunderte lang ihm diese Stelle gehörte, und in Sommernächten, wenn der Rapsduft vom Felde her in den Wald zieht, dann bricht es in sein altes Revier ein, erst in die "Suhle", dann in die Saat und tritt nieder und wirbelt auf. Wer dann im "Blumenthal" seines Weges kommt, der hört ein Lärmen und Johlen, ein Grunzen und Quietschen wie in alter Zeit, und er weiß nicht, ist es ein Hexensabbat oder die wilde Jagd.
Vorabbegehung
Am 2. Juli brach Knut von Paranormal Nord auf gen Richtung Blumenthal um eine Begehung der Örtlichkeit vorzunehmen:
Bericht der Vorabbegehung
"Die Stadtstelle ist einfach zu finden, liegt sie doch immer noch direkt an einer Landstrasse. Man parkt auf einem alten Gutshof, der mittlerweile geteilt wurde und wo nun mehrere Parteien wohnen. Ein freundliches Rentnerpaar ließ mich bei Ihnen parken, damit meinem Auto nichts passiert (Daß der Oldi ein angeschlagenes Getriebe hat, muß ja keiner wissen ), und sie wiesen mir den Weg zur alten Stadtstelle. So machte ich mich auf, in den Wald. Ich kam noch an einigen Kleingärten (Datschen) vorbei, und irgendwo mußte ich den falschen Weg gewählt haben, denn ich ging in den Wald und an einer Holzsammelstelle der Waldarbeiter machte ich erstmal mein Equipment klar. Dann streifte ich etwas orientierungslos durch den Wald, und versuchte, anhand meiner Karte von Google-Maps meinen Weg durchs Gelände zu finden, was mir gründlich mißlang. Meinen Ausdruck aus Wikipedia mit den GPS-Koordinaten hatte ich zuhause liegen gelassen (gut, Knut!), und so verirrte ich mich gründlichst. Nachdem ich entlang einer eingezäunten Schonung an der Stadtstelle vorbeigelaufen war (ohne es zu merken Cyclops ) und nach einer Begegnung mit einem Reh machte ich Rast auf einem Hochsitz. Ich ruhte mich etwas aus und vernahm deutliches Schweinegrunzen. Ich beschloss, meinen Weg zur Landstrasse zu suchen, um mich anhand des Blumenthalsees auf der anderen Strassenseite im Wald zu orientieren. Auf dem Weg zur Strasse fand ich heraus, warum Teile des Waldes eingezäunt wurden. Hier ziehen Bachen ihre Frischlinge auf, ich sah kurz ein Wildschwein und 3 Frischlinge im Unterholz verschwinden. Im andern Teil des Walds fand ich relativ schnell den Blumenthalsee. Der See und Teile des Ufers sind im Privatbesitz. Zum einen steht ein Schild im See, zum anderen wurde ich von einem Hund gestellt, und es dauerte eine Weile, bis sich der Besitzer zu mir bequemte, um mich zu erlösen. Als ich erklärte, daß ich mich etwas im Wald verlaufen habe, wurde der Mann etwas freundlicher und wir unterhielten uns etwas. Der See liegt recht schön im Wald, am See liegen einige Wochenendhäuser, die über einen Waldweg mit dem Auto erreicht werden können. Ein Aufenthalt hier nachts kann schon unangenehm werden, wenn der Hund weiter nicht angeleint herumstrolcht. Vom See ging ich den Weg zurück zur Strasse und kam an der Stadtstelle heraus. Nach einer kurzen Pause ging ich diesmal den richtigen Weg, fand die Stadtstelle auf Anhieb und ging einmal um die Stadtstelle herum, um den Markstein zu finden. Als Orientierungshilfe nahm ich diesmal die Beschreibung von Theodor Fontane zu Hilfe, und fand anhand dieser auf Anhieb den Markstein. Rund um das Feld der Stadtstelle liegen sehr sehr viele Steine und Findlinge, teilweise mit alten Graffitis aus dem 19. und frühem 20. Jahrhundert („Mata Hari“, etc.). Der Markstein hat den von Fontane erwähnten typischen Fußabdruck des Teufels (Einen Hufartigen Abdruck) und Besucher verschiedener Zeiten haben ihre Kürzel hinterlassen. Der Markstein ist ca. 3 x 3 Meter groß und soll bis zu 6 Meter in die Erde gehen. Er liegt unter einer Eiche, in die eine Birke verwachsen ist und auch ein Apfelbaum(!) steht direkt mit am Markstein. Am Markstein machte ich eine EVP-Session, und nach dieser ging ich den Rest der Stadtstelle ab zurück zum Auto, durch das Gebiet, wie Marisa es beschrieb. Die gepflasterten Wege sind eindeutig nicht mittelalterlichen Ursprungs, zur Lösung komme ich später. Ich vernahm auch hier und da Klopfgeräusche, wie von Holzhacken, und wie Holz, das auf Holz klopft. Auch metallisches Hämmern vernahm ich. Bevor ich zum Auto zurück ging, klapperte ich noch die Datschen ab. Hier standen teilweise Fliegengittertüren lose in den Angeln und zogen nicht mehr richtig zu. Beim leichtesten Windhauch fingen diese an, metallisch oder hölzern zu klopfen. Wir kennen dies von anderen PUs, solche Geräusche werden durch die Reflektion des Schalls an Bäumen relativ weit in den Wald getragen und können dann von überall her kommen. Auch das Holzhacken konnte ich lösen: Kam doch ein Mann aus der Datsche, hackte 2 Scheite klein und verschwand wieder in der Datsche. Am Stück ordentlich was verkleinern tat er offensichtlich nicht. Zurück beim Auto wurde ich von einem Jogger angesprochen, der immer im Wald laufen geht, ob ich denn auf Fontanes Spuren wandle. Ihm war mein Hamburger Kennzeichen aufgefallen, und so sprach er mich an. Von ihm erfuhr ich das „Geheimnis“ der gepflasterten Wege im Wald und der großen Menge Findlinge rund um die Stadtstelle: Bis nach dem Krieg war die Siedlung Blumenthal noch so erhalten wie von Fontane beschrieben. Man konnte noch Grundmauern erkennen, die Reste des Ziehbrunnens besichtigen usw. Nach dem Krieg zu Zeiten der DDR soll das russische Militär die Stadtstelle als Schiess- und Übungsplatz genutzt. Bis auf den Markstein hätten diese das Feld mit Bulldozern geräumt und die Steine an den Rand des Feldes gekarrt. Ob dies der Wahrheit entspricht, ist zu prüfen.
Zur Info: Entgegen vieler Behauptungen ist das Gebiet nicht soooo groß. Das Feld der Stadtstelle ist ungefähr so groß wie der Friedhof Vossenack, Ähnlich verhält es sich mit dem sogenannten Gamengrund, das ist das Gebiet um den Blumenthalsee. Das ist alles locker mit 8 Leuten abzudecken."
Hier liegt ein Irrtum vor: Der Gamengrund ist nicht das Gebiet um den Blumenthal-See, der Gamengrund befindet sich weiter westlich vom Blumenthal-See.
Video der Vorabbegehung
Von der Vorabbegehung ist ein Videozusammenschnitt verfügbar:
Auswertung der Vorabbegehung
Durch die Vorabbegehung wurde festgestellt, daß für eine Untersuchung nur der Platz der ehemaligen Stadtstelle in Betracht kam. Der Forst Blumenthal ist ein Waldgebiet mit vielen Holzwegen, die im "Nichts" enden und Spazier- und Wanderwege sind im Gebiet der Stadtstelle überwuchert und nicht klar ausgeschildert.
Eine Untersuchung des Blumenthal-Sees kam nicht in Betracht, da der See Privatbesitz ist und auch entsprechend beschildert ist. Zudem finden sich Wochenendhäuser direkt am Seeufer, und es herrscht ein gewissen Misstrauen der Anwohner gegenüber Leuten, die sich im Wald aufhalten. Zumindest waren bei der Vorabbegehung die Anwohner nicht amüsiert, daß da jemand am Seeufer fotografierte und filmte.
Leider war Marisa, die Userin aus den Spukwelten, die Erlebnisse im Blumenthal-Forst hatte, verhindert, so daß auf der Vorabbegehung auch die "Hot-Spots" der Erlebnisse nicht aufgesucht und per GPS markiert werden konnten.
Eine Überprüfung der Aussagen der Anwohner durch eine Archäologin, die sich viel mit der Stadtstelle auseinandergesetzt und geforscht hat, ergab, daß die Aussage, daß die Russen die Stadtstelle geräumt und als Truppenübungsplatz eingerichtet hätten, aus dem Leeren gegriffen ist. Im Gegenteil hatte der (der Archäologin noch persönlich bekannte Bauer) das Feld der Stadtstelle bewirtschaftet und durch die Landwirtschaftsarbeiten sind viele der Siedlungsreste den Rodungen und Ackerarbeiten zum Opfer gefallen.
Untersuchung der Stadtstelle
Nur ein paar Wochen später fand dann vom 14.8.2009 bis 16.8.2009 die Hauptuntersuchung der Stadtstelle statt. Leider war Marisa auch an diesem Wochenende verhindert, um uns die "Hot-Spots" mit ihren Erlebnissen zu zeigen.
Am 14.8. trafen Cean, Jörg und Knut bei schönstem sommerlichen Wetter in Tiefenbach in der Nähe der Stadtstelle ein, wo im Hotel Quartier bezogen wurde. Gegen 16 Uhr wurde eine Begehung des Geländes vorgenommen, um Cean und Jörg mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Wir begingen das Feld der ehemaligen Stadtstelle, grosses Interesse fanden die vielen Steine, die um das Feld liegen, und machten uns auch mit der Stelle des Marksteins vertraut. Für die 1. Nacht beschlossen wir, uns auf die Untersuchung des Marksteins zu konzentrieren.
Untersuchung 14.8.2009
Um 21 Uhr trafen wir erneut an der Stadtstelle ein, diesmal mit voller Ausrüstung. Nachdem ein freundlicher alter Herr, der aus dem Wald kam, uns noch einmal darauf hinwies, wo wir parken könnten, ohne die Waldarbeiter zu behindern, luden wir unsere Ausrüstung aus. Der Herr ging übrigens in eines der Häuser an der Stadtstelle, es handelt sich hier also um keinen Waldgeist, wie oft behauptet wird.
Im Gegenteil, der Mann ging zu seiner Garage, öffnete sie, wo er ein Lager von Gartenpforten aus Metall hatte. Daraus zog er eine hervor, und verschwand mit ihr in seinem Garten. Kurz drauf hörten wir dann ein metallisches Klopfen, das bis weit in den Wald zu hören war, und uns noch lange Zeit beim Aufbau begleitete. Offensichtlich ist der Mann Kunstschmied.
In der Abenddämmerung erreichten wir den Markstein, bauten unser Equipment rund um den Markstein auf, und starteten dann gegen 22:30 die erste Untersuchung.
Datei:PU Skizze Blumenthal1.jpg
Nach Beginn liessen wir zunächst den Markstein allein und hielten uns im umliegenden Gebiet auf, um auf Geräusche zu achten, von denen oft berichtet wurde, und eventuelle Ursachen für diese zu finden. Es war eine sternklare Nacht, und für den Monat typisch konnten wir viele Sternschnuppen beobachten. Nach ca. 30 Minuten kehrten wir dann zum Markstein zurück, wo jeder Teilnehmer der Untersuchung ein Einzelsitdown auf dem Markstein machen sollte. Während dieses Sitdowns konnte derjenige machen, was ihm gerade in den Sinn kam.
Abschliessend führten wir noch einen Gruppen-Sitdown durch, gegen 0:30 brachen wir die Untersuchung ab, da es trotz der Jahreszeit mit abschliessend 9 Grad empfindlich kühl wurde.
Besondere Vorkommnisse konnten wir so nicht verzeichnen.
Auswertung der ersten Untersuchung
Auch die Auswertung der ersten Nacht brachte keine besonderen Ergebnisse. In einer Tonaufnahme von einem Sitdown hatten wir ein eventuelles EVP festgestellt, hier meinten wir, auf eine Frage die Antwort "Ja" erhalten zu haben.
Durch den direkten Abgleich mit dem anderen Aufzeichnungsmaterial konnten wir jedoch ein EVP ausschliessen, da dieses Geräusch eher vom dem Reissverschluß der Jacke herrührte
Begehung Gamengrund 15.8.2009
Für diesen Tag hatte sich noch Andre angekündigt. Nach dem Frühstück nahmen wir die ersten Stichproben-Auswertungen vor, um für die zweite Nacht Anhaltspunkte zu finden, auf die ein stärkeres Augenmerk zu legen wäre. Leider fanden wir im "Schnelldurchlauf" keine prägnanten Stellen, die uns besonders auffielen.
Für den Tag hatten wir im Programm, den Gamengrund zu begehen, von dem auch einige Berichte durch die Foren geistern. Zudem interessierte uns das Denkmal um die hingerichteten Widerstandskämpfer um Rober Uhrig [1], sowie die Jahrhundert-Eiche, die Fontane beschrieb.
Zum Gamen See (Nicht zu verwechseln mit dem Gamensee, der nördlicher liegt!!!) gelangt am über die Zufahrt zum dortigen Campingplatz, der am nördlichen Ufer des Sees sehr gut zu erkennen ist.
Bereits während der Begehung stellten wir fest, daß der Campingplatz durch die Sommergäste recht laut ist, und der See stimmen sehr weit trägt.[1]
Dies erklärt deutlich die Stimmphänomene, denen man in diesem Gebiet unterliegt, da der See in einer galzialen Rinne im Wald, also in einer Schlucht liegt, was Echo- und Verzerrungseffekte stark begünstigt.
Auch das berichtete Auftauchen nackter Personen hat seinen Ursprung einfach darin, daß der Gamen See ein Naherholungsgebiet ist, der aufgrund seiner Lage im Wald und dem damit verbundenen Sichtschutz zum FKK-Sonnen und -Baden genutzt wird. Aus Gründen des Presönlichkeitsschutzes haben wir hier auf Beweisfotos verzichtet.
Da auch auf einer der oberen Flächen (am Schmiedeweg) des Campingplatzes ein Vereinstreffen vorbereitet wurde, haben wie auf eine Untersuchung dieses Gebiets verzichtet, da der zu erwartende "Lärmpegel" zu hoch sein würde.
Untersuchung am 15.8.2009
Mit der weiteren Unterstützung durch Andre bauten wir zur Hauptuntersuchung Die Stationen Markstein und zwei Stationen weiter südlich vom Markstein auf. Wir hatten einen heißen Tipp bekommen, daß ein Punkt hoher Aktivität (Das Dorfzentrum?) südlich vom Markstein sein soll, und wir nach Gefühl aufbauen sollten.
Auf dem Weg vom Auto zum Untersuchungsgebiet stiessen wir im Wald auf ein geparktes Fahrzeug aus der Nähe von Hamburg, das an der Windschutzscheibe eine Ausnahme-Genehmigung liegen hatte. Das Auto wurde hier geparkt, der oder die Besitzer waren diese Nacht im Blumenthal zur Jagd. Unsere Befürchtungen, daß auf dem Feld der Stadtstelle nun die Hochstände besetzt sein würden, erwiesen sich jedoch zum Glück als unbegründet. Dennoch hörten wir in der Nacht viele Geräusche von Wild und auch einige Schüsse.
Nach dem Interview für das Spukwelten Paratalk-Radio begannen wir mit den Stationsaufbauten.
Zusätzlich bauten wir für den Videostream als Basis ein Zelt mit Laptop auf und schlossen eine Webcam an, die den Markstein beobachtete.
Jörg baute seine Station weiter südlich im Wald auf, Knut baute eine weitere Station am südlichen Rand des Felds auf, zusätzlich wurde der Markstein überwacht. Neben verschiedenen Tierrufen waren die Highlights der Nacht das Fluggeräusch eines großen oder schweren Vogels, den wir scherzhaft den "Flugsaurier" nannten. Andre und Knut waren zu dieser Zeit in der Nähe des Marksteins und hörten den Vogel, konnten ihn aber mit den Taschenlampen nicht ausmachen. Wenig später wurden sie von Jörg und Cean angefunkt, bei denen der Vogel gerade vorbeigeflogen war.
Wir haben dieses Geräusch einigen Leuten zur Begutachtung vorgelegt, unter anderem auch Leprechaun. Die meisten tippten darauf, daß es sich um eine Großtrappe handeln müsste.
Auch hörten wir viele Stimmen, zum einen verbunden mit Diskomusik, so wurden wir auch leicht hier durch die Veranstaltung am Gamen See gestört, zum anderen sind am nördlichen Rand des Feldes viele Gartenlauben (Datschen) einer Kleingarten-Kolonie, von wo wir auch Stimmen, Klopfen und Geräusche vernahmen.
Als drittes fiel uns ein merkwürdiges Klopfen oder Knallen auf, das nur dann auftauchte, wenn auf der nahen Bundesstrasse ein Auto aus Richtung Prötzel vorbeifuhr und dann über eine Nebenstrasse nach Werneuchen abbog. Durch den Wald führt eine Bahnlinie, und der Bahnübergang verursacht beim Überfahren je nach Richtung diese Geräusche.
Auswertung der 2. Nacht
Auch die Untersuchung der 2. Nacht lieferte keine Ergebnisse statt dessen konnten wir viele geschilderte Phänomene erklären.
Die Luftfeuchte-/Temperaturmesskurve der Untersuchung. Interessant ist der Bereich zwischen 00:26 und 01:19, wo ein Temperatursprung von ca. 4 Grad gemessen wurde. Dies korreliert mit unserer Beobachtung, daß zu dieser Zeit eine warme Windböe durch den Wald wehte.
Auf uns machte das Gebiet des Blumenthal keinen merkwürdigen Eindruck. Interessant ist, daß dort auch eine Wüstung ähnlich wie Nordhusen vorliegt, jedoch alle Zeitzeugen durch Landwirtschaft leider beseitigt wurden.
Gerne hätten wir eine Stadtstelle (wie Fontane sie noch romantisch-verklärt beschrieb) angetroffen; lediglich die Steine rund um das Feld sind klägliche stumme Zeugen...
Ergänzende Quellen
Diverse Bilder zur Untersuchung gibt es u.a. hier Flickr-Account Paranormal-Süd

